ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL

Kinoworkshop in der HFF /Hochschule für Fernsehen und Film München – mit Caroline Link – Regisseurin, HFF-Absolventin und HFF-Professorin – Der geplante Termin am Donnerstag, 26. März 2020 (13.30-16.30 Uhr) entfällt. Ein neuer Termin wird sobald wie möglich bekannt gegeben!

 

Deutschland 2019; 119 Min.; Altersempfehlung 10 bis 13 Jahre (5. bis 8. Klasse); Literaturverfilmung nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Judith Kerr (1971);  Drama, Kinder- und Jugendfilm; Regie: Caroline Link; Drehbuch: Caroline Link und Anna Brüggemann; Kamera: Bella Halben; Schnitt: Patricia Rommel; Szenenbild: Susann Bieling; Mischung: Tschangis Chahrokh; Musik: Hauschka; mit: Riva Krymalowski, Oliver Masucci, Carla Juri, Justus von Dohnányi, Marinus Hohmann, Ursula Werner, u. a.; Produktionsfirma: Sommerhaus Filmproduktion (Ludwigsburg); Bayerischer Filmpreis 2019: Bester Kinder- und Jugendfilm; FBW Prädikat besonders wertvoll; Bewertung FBW-Jugend-Filmjury;

 

Inhalt: Vor dem Hintergrund des NS-Regimes erzählt ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL über Ausgrenzung und Diskriminierung, über Flucht und Vertreibung, über Abschiede und Neuanfänge und vor allem über den Zusammenhalt einer Familie. Dadurch eröffnet der Film bereits jüngeren Schüler*innen ab der 5. Jahrgangsstufe nicht nur Möglichkeiten, etwas über den Nationalsozialismus zu erfahren, sondern sich auch mit der Situation von Menschen auf der Flucht zu beschäftigen. (Quelle: Filmtipp Vision Kino)

 

Unterrichtsfächer: Deutsch, Ethik/Lebenskunde, Religion, Geschichte, Kunst
Themen: Flucht, Zuhause, Familie, Nationalsozialismus, Antisemitismus, Diskriminierung, Hoffnung, Zuversicht

 

Filmbesprechnung von Holger Twele: Im Februar 1933, kurz nach der Machtübernahme Adolf Hitlers, ist für die neunjährige Anna Kemper die Welt noch in Ordnung. Da wird ihr Vater, ein berühmter Berliner Theaterkritiker und erklärter Gegner der Nationalsozialisten, gewarnt, dass er verhaftet werden soll. Noch in der Nacht flieht er über Prag nach Zürich. Seine Frau und die beiden Kinder Anna und Max folgen ihm kurz darauf. In der Hoffnung, dass der Abschied von der Heimat Berlin nur von kurzer Zeit sein wird, hat die Familie fast ihr ganzes Hab und Gut zurückgelassen – auch Annas geliebtes rosa Stoffkaninchen. Doch bald bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: Juden wie die Familie Kemper werden in Deutschland zunehmend ausgegrenzt und verfolgt, auf den Vater ist gar ein hohes Kopfgeld ausgesetzt worden. Die Kempers fliehen weiter in ein Schweizer Bergdorf, dann nach Paris und schließlich im September 1934 nach London. Im Exil erleben sie eine Zeit der großen Entbehrungen, in der sich die Familie gegenseitig Halt und Geborgenheit gibt, aber auch aufgeschlossen gegenüber neuen Erfahrungen und Herausforderungen reagiert.

Der Film von Caroline Link beruht auf dem 1971 veröffentlichten autobiografischen Roman von Judith Kerr (1923-2019), die darin die Flucht ihrer Familie und die Suche nach einer neuen Heimat erzählt. Das Buch wurde schnell zum Bestseller und zur Schulpflichtlektüre. Ganz aus Annas kindlicher Perspektive erzählt, vermitteln Buch wie Film insbesondere einem noch sehr jungen Publikum anhand des Schicksals der Familie Kemper die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft. Diese „kindgerechte“ Aufbereitung, die sich vor allem auf die Familie konzentriert, setzt kein historisches Vorwissen voraus, verharmlost aber weder die Judenverfolgung noch die Fluchtumstände oder Probleme in der Fremde. Damit schließt der Film eine Lücke zu thematisch ähnlichen Filmen für ältere Jugendliche wie Das Tagebuch der Anne Frank. Judith Kerr selbst war davon überzeugt, dass sie in ihrem Buch nichts „Schreckliches“ beschreibt, das Kinder verstören könnte. Caroline Link folgt diesem Duktus auch in ihrer Verfilmung. Diese folgt den Ereignissen streng chronologisch und bleibt mit der Kamera immer dicht an den Kindern. Das gilt für Anna und Max vor allem, aber auch für die anderen Kinder etwa im Schweizer Bergdorf, denen die Geschwister begegnen. Diese Nähe zu den kindlichen Figuren, die bildlich immer in die jeweilige Umgebung eingebunden ist, trägt entscheidend zur visuellen Kraft des Films bei, wobei lediglich die Musikuntermalung mitunter etwas zu aufdringlich geraten ist.

Einen wesentlichen Anteil daran, dass der Film bereits junge Menschen ab etwa acht Jahren anspricht, hat die Berliner Schülerin Riva Krymalowski in der Rolle von Anna. Sie ist eine rundum positive Identifikationsfigur, immer neugierig und optimistisch, selbst in traurigen Momenten. Anknüpfungspunkte für den Unterricht bieten sich insbesondere in Ethik und Lebenskunde. Welche Herausforderungen stellen sich Anna, Max und ihren Eltern in der Fremde? Wie erleben sie den Verlust von Heimat, Freunden und Sicherheit, aber auch die Erfahrung von Diskriminierung? Wie finden sie sich in einer fremden Sprache zurecht? Ausgehend von der historischen Perspektive gestattet der Film, Parallelen zur gegenwärtigen Situation von geflüchteten Menschen zu ziehen. Da der Film bis in Ausstattungsdetails hinein den historischen Ereignissen verpflichtet bleibt, ermöglicht er auch einen guten Einstieg in die ersten Jahre der nationalsozialistischen Diktatur und die systematische Ausgrenzung und Verfolgung von jüdischen Menschen. Für etwas ältere Schüler/-innen bietet sich im Fach Deutsch ein Vergleich zwischen der als Schullektüre empfohlenen Buchvorlage und dem Film an. Die Regisseurin gibt etwa dem Vater im Film etwas mehr Raum als das Buch. Der berühmte Theaterkritiker Alfred Kerr wurde vor 1933 in ganz Europa verlegt und machte viele Autoren in Deutschland erst bekannt wie Arthur Schnitzler oder Henrik Ibsen. Hier lohnt sich eine Beschäftigung mit den Biografien der Mitglieder der Familie Kerr. (Quelle: kinofenster.de)

 

Zur Person Caroline Link: geboren am 2. Juni 1964 in Bad Nauheim, sammelt nach dem Abitur und einem einjährigen Auslandsaufenthalt in den USA bei einem Praktikum in den Münchner Bavaria-Studios (1984) erste praktische Filmerfahrungen. 1986 nimmt sie ein Regiestudium an der Münchner HFF /Hochschule für Fernsehen und Film München auf, das sie vier Jahre später erfolgreich abschließt. Bereits 1989 ist sie als Co-Regisseurin am Dokumentarfilm DAS GLÜCK ZUM ANFASSEN beteiligt. Bei den Hofer Filmtagen 1990 wird sie für ihren Abschlussfilm SOMMERTAGE mit dem Kodak Förderpreis ausgezeichnet. Nach ihrem Studium ist Link als Drehbuchautorin unter anderem für die TV-Serie „Der Fahnder“ tätig. Ihr Kinodebüt JENSEITS DER STILLE (1996) wird mit zwei Bayerischen Filmpreisen (Beste Nachwuchsregie, Beste Musik) und zwei Deutschen Filmpreisen (Beste Hauptdarstellerin, Musik) ausgezeichnet und erhält eine Oscar-Nominierung als „Bester fremdsprachiger Film“. Über eine Million Zuschauer sehen diesen Film im Kino, wie auch ihre nächsten Filme PÜNKTCHEN UND ANTON (1999) und NIRGENDWO IN AFRIKA (2001), Caroline Links größter Erfolg mit fünf Deutschen Filmpreisen und einem Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Weitere Filme: IM WINTER EIN JAHR (Deutscher Filmpreis und Bayerischer Filmpreis). EXIT MARRAKECH. DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT (2018). Ehrungen: Filmpreis der Stadt München. Bayerischer Verdienstorden. Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. (Quelle: www.filmportal.de)

 

Caroline Link zum Film: „Vor mehr als 35 Jahren habe ich den Roman ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL von Judith Kerr zum ersten Mal in der Schule als Pflichtlektüre gelesen. Damals hat mich die Leichtigkeit der Geschichte überrascht. Das war eine Geschichte über Vertreibung und Flucht aus Nazi-Deutschland, und trotzdem war der Ton optimistisch, fast unbeschwert. […] Man kann finden, dass dieser subjektive Blick auf Vertreibung harmlos erscheint, aber ich denke, gerade das zeichnet Judith Kerrs Buch aus. Kinder und Jugendliche müssen sich vor dieser Geschichte nicht fürchten. Es ist keine Holocaust-Geschichte, die man jungen Menschen nicht zumuten mag. Und es ist trotzdem die Beschreibung einer Zeit, in der der Verlust von Heimat, Sprache und Wohlstand von einem Tag auf den anderen möglich wurde, nur weil sich der politische Wind gedreht hat.“ (Quelle: Filmheft Vision Kino)

 

Weiterführende Links:

Webseite Filmverleih: www.warnerbros.de
Infos zum Film: www.filmportal.de
Unterrichtsmaterialien: www.kinofenster.de  Filmheft: www.visionkino.de Filmtipp: www.visionkino.de  Arbeitsblätter zu Kinofilm und Buch: www.stiftunglesen.de

Begleitmaterialien zur Schullektüre: https://asset.klett.de

Buch: www.ravensburger.de

HFF MACHT SCHULE: www.hff-muenchen.de
Infos zur HFF: www.hff-muenchen.de  www.muenchenarchitektur.com

Infos zu den verschiedenen Arbeitsbereichen beim Film von der 24 FILMSCHULE der Deutschen Filmakademie / zur Regie: www.vierundzwanzig.de … zum Drehbuch: www.vierundzwanzig.de

 

Weitere Informationen:

Flyer: KW.AHDRKS (26.03.2020)

Eintrittspreis: 4 Euro für Schüler

Ort: HFF/ Hochschule für Fernsehen und Film München,
Bernd-Eichinger-Platz 1;

MVV: Tram 27/28 (Haltestelle Karolinenplatz); Bus100 (Haltestelle Pinakotheken);

Reservierung: info@treffpunkt-filmkultur.de

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