MEIN LOTTA-LEBEN – Alles Bingo mit Flamingo!

Kinoworkshop in der HFF /Hochschule für Fernsehen und Film München – mit der Regisseurin Neele Leana Vollmar – Der geplante Termin am Dienstag, 24. März 2020 (14-16.30 Uhr) entfällt. Ein neuer Termin wird demnächst bekannt gegeben!

Deutschland 2019; 94 Min.; Altersempfehlung: 8-11 Jahre (3. bis 6. Klasse); Kinderfilm, Familienfilm, Komödie, Literaturverfilmung nach der gleichnamigen Buchreihe von Alice Pantermüller und den Illustrationen von Daniela Kohl; Regie: Neele Leana Vollmar; Drehbuch: Bettina Börgerding; Kamera: Daniel Gottschalk; Schnitt: Bernd Schlegel;  Szenenbild: Michael Binzer; Musik: Oliver Thiede; Mischung: Stefan Korte; mit: Meggy Hussong, Yola Streese, Levi Kazmaier, Laila Ziegler, u.a.; Produzenten: Dagmar Niehage, Philipp Budweg, Robert Marciniak; Produktionsfirmen: Lieblingsfilm München, dagstar*film Köln; Verleih: Wild Bunch Germany; FBW-Prädikat besonders wertvoll; FBW-Jugendfilmjury;

Inhalt: In der Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuchs dreht sich alles um die elfjährige Lotta und ihre beste Freundin Cheyenne. Zu Lottas täglichen Herausforderungen zählen ihre beiden lästigen Brüder, eine Mutter, die seit Neuestem bei einem ominösen Ayurveda-Guru arbeitet, und ein schlechtgelaunter Vater. Dazu kommt, dass sie und Cheyenne sich auch noch mit der hochnäsigen Klassenkameradin Berenike herumschlagen müssen. So wenig die beiden Berenike leiden können, so sehr wollen sie dann aber doch auf deren Party, auf die alle außer sie selbst eingeladen sind. Und dann kommt auch noch der coole Teeniestar Marlon in die Stadt, um dort ein Musikvideo zu drehen. Das Casting ist zwar eigentlich erst ab vierzehn, aber Lotta und Cheyenne wären nicht die pfiffigen Mädchen, die sie sind, wenn sie sich davon abschrecken ließen… (Quelle: filmportal.de)

 

Themen: Freundschaft, Kindheit/Kinder, Mädchen, Familie, Schule, Humor, Musik, Identität, Solidarität, Ausgrenzung, Gemeinschaft, Kunst, Musik, Abenteuer, Gruppen, Außenseiter, Konflikt, Mut, Idole;

Unterrichtsfächer: Deutsch, Sachkunde, Lebenskunde/Ethik, Religion, Filmbildung, Medienkunde, Kunst, Musik;

 

Filmbesprechung von Katrin Miller: VOM COMIC-TAGEBUCH ZUM FILM 

MEIN LOTTA-LEBEN – ALLES BINGO MIT FLAMINGO! ist die erste Kinoadaption der bislang 15-bändigen deutschen Kinderbuch-Bestseller-Reihe „Mein Lotta-Leben“ von Autorin Alice Pantermüller und Illustratorin Daniela Kohl. Für die Verfilmung der Comic-Romane, in welchen die junge Tagebuchschreiberin Lotta mit Augenzwinkern und erfrischender Naivität aus ihrem irrwitzigen Alltag und von ihrem Verhältnis zu Eltern, Geschwistern und Mitschüler*innen erzählt, haben Drehbuchautorin Bettina Börgerding (Bibi & Tina-Filme) und Regisseurin Neele Leana Vollmar (RICO, OSCAR UND DIE TIEFERSCHATTEN) das literarische LottaUniversum ins Kinoformat übertragen. Da die Lotta-Romane jedoch episodenhaft angelegt sind und keine durchgehende, sondern viele kleine Geschichten erzählen – für das Kino aber immer eine große zusammenhängende Erzählung mit dramaturgischem Spannungsbogen benötigt wird – wurde für den Medienwechsel ein ganz neues, frei erzähltes Lotta-Abenteuer geschrieben. Dieses greift das wichtigste Figurenensemble, aber auch einzelne Anekdoten und O-Töne aus den Lotta-Büchern auf. Der Stoff wurde aber auch verändert, gekürzt, ergänzt und aktualisiert. So entfernt sich die Leinwandadaption zwar inhaltlich von den literarischen Lotta-Geschichten, wahrt aber zugleich den Geist, den Charme sowie die Verrücktheit der Vorlage. Lotta-Lese-Fans können also bekannte Elemente wiedererkennen, aber auch Neues erleben.

Einen ganz unverkennbaren Lotta-Look gibt sich der Film durch die Einbindung der witzigen Comics-Skizzen und Zeichnungen, die fest ins Repertoire von „Mein Lotta-Leben“ gehören. In den Büchern illustriert die Tagebuchschreiberin damit ihre bunte und knallige Fantasie für ihr Leser. Im Film übernimmt die Leinwand die Rolle des Papiers: Wie auf einer Tafel kann Lotta beliebig darauf schreiben, kritzeln oder wegradieren und ihre Erzählungen werden mit grafischen Kommentaren, Sprechblasen, Bildern, Emoticons, Namen, kurzen Charakterisierungen oder lautmalerischen Symbolen bereichert und ergänzt: Die beste Freundin umrahmen Sterne, die Mutter Herzchen, über dem nerdigen Paul schweben allerlei komplizierte physikalische Formeln, beim Sehnsuchtsthema Haustier kritzeln sich Hund, Katze, Vogel, Hase und Schaf vor Lottas Augen und beim Anblick der ungeliebten Blockflöte verdeutlichen griesgrämige Smileys Lottas „flötisch unbegabten“ Missmut.

So beginnt der Film mit einer von Lotta selbst gedrehten wackeligen Tour durchs morgendliche Chaos im Haus der Familie Petermann. Mit Lottas subjektiver Kameraführung (Point of View Shot) nehmen wir unmittelbar ihren Blickwinkel ein, wir sind mittendrin im Geschehen und sehen die Welt genauso, wie Lotta sie sieht. Der Einstieg dient als Äquivalent zur Tagebuchform, in der die Kinderbuchreihe angelegt ist. Statt zu schreiben, blickt und spricht Lotta in die Kamera und stellt sich in ihrem Videotagebuch dem Zuschauer als Hauptfigur und Ich-Erzählerin vor, die im weiteren Handlungsverlauf mittels Off-Stimme davon berichtet, was ihr so alles durch den Kopf geht. Wie einen guten Kumpel weiht die Voice-Over-Erzählerin ihr Kinopublikum in ihr Leben und in ihre Sicht der Dinge ein, kommentiert und wertet ihr Umfeld und offenbart, was sie erlebt, was sie beobachtet, was sie denkt, was ihr Spaß macht, aber auch was sie so richtig nervt. So kann es passieren, dass Lotta die Zuschauer*innen direkt anspricht, wenn sie z. B. keine Lust mehr hat auf Cheyennes ausgiebige Schwärmereien über Superstar Marlon, oder wenn sie sich nach dem großen Streit mit der besten Freundin richtig mies fühlt und nach Leidensgenoss*innen im Kinosaal fragt.

Mit ihren Direktadressierungen in die Kamera verstößt Lotta gegen klassische Filmregeln. Denn eigentlich bekommen Schauspieler*innen am Filmset stets die Anweisung so zu agieren, als sei das Publikum nicht vorhanden. Daher dürfen sie nie in die Kamera schauen oder sprechen, weil dies den Handlungsverlauf unterbricht und die realistische Illusion des Films gestört wird. Mit ihrem „unfilmischen“ Verhalten pfeift Lotta aber auf die ansonsten bestehende Kluft zwischen der dargestellten Filmwelt und den Kinobesucher*innen und denkt nicht im Traum daran, sich an irgendwelche Regeln zu halten. Typisch Lotta! Denn die unangepasste Protagonistin macht ohnehin nur das, worauf sie gerade Lust hat, lässt sich von niemandem verbiegen und möchte vor allen Dingen eines nicht: So sein wie alle anderen! Stimmig spiegelt sich diese Haltung daher auch auf der formalen Ebene des Films wieder – und wir lernen Lotta auch durch die filmische Gestaltung besser kennen.

Mit ihrem Durchbrechen der sogenannten „Vierten Wand“ und ihrer erzählerischen Offenheit baut Lotta eine unmittelbare Verbindung zu uns auf, sorgt dafür, dass wir uns schnell in ihren Charakter einfühlen und mit ihr zusammen Sympathien und Antipathien entwickeln. Durch ihren Humor und ihre freche, witzige Art schlagen wir uns schnell auf ihre Seite. Schließlich behandelt Lotta uns, die Zuschauer*innen, als gute Freundin und guten Freund, als Person, der sie vertraut und der sie ihr Innerstes offen und ehrlich – wie einem Tagebuch – anvertraut. Dabei präsentiert sie uns auch das, was man eigentlich nicht sehen oder hören kann: Ihre Fantasien, Träume und Ängste. Wenn Cheyenne in der Schule darüber witzelt, dass (G)Lämmer-Girls nachts wohl Schafanzüge tragen, führt uns Lotta vor Augen, wie sie sich dieses tierische Szenario in ihrer Fantasie ausmalt. Und wenn sich Cheyenne und Lotta im imposanten Luxushotel vom Personal maniküren und pediküren lassen, Berenike als Schuhputzerin eingespannt wird, oder wenn Lotta nach dem Streit mit Cheyenne bedröppelt durchs Schulhaus schlurft und ihre beste Freundin im Plüschmäntelchen mit den dämlichen (G)Lämmer-Girls über sie tuscheln und lachen sieht, sind dies allesamt subjektive Gedankenbilder, Geistesblitze und Vorstellungen, die Lotta ganz in ihrem Innersten birgt. Mit dem filmsprachlichen Stilmittel der Mindscreen, was so viel wie „innere Leinwand“ oder „Gedankenleinwand“ bedeutet, vermittelt MEIN LOTTA-LEBEN – ALLES BINGO MIT FLAMINGO! auch diese Teile von Lottas Innenwelt, die Aufschluss darüber geben, wie die Titelheldin tickt, wie sie fühlt und wie sie die Welt erlebt.

Lottas Wahrnehmung ist ungewöhnlich, ihre Gedanken springen hin und her, gehen verrückte Umwege und sie hat viele witzige Ideen und Einfälle. Dabei tendiert die sympathische Titelheldin gerne zu Übertreibungen und charakterisiert ihr Umfeld bevorzugt mit spitzfindigem Augenzwinkern. Die zur Oberschurkin stilisierte Berenike mit ihrem goldenen Pferd und ihrer tierisch plüschigen (G)Lämmer-Gefolgschaft, die esoterisch abgedrehte Mutter Sabine mit ihrem selbsternannten Guru Heiner Krishna, die skurril-humorlose Lehrerin Frau Kackert oder der affektiert-allürenhafte Sänger Marlon (selbstironisch gespielt von Pop- und YoutubeStar Lukas Rieger): Mit Sinn für Slapstick und Situationskomik lässt MEIN LOTTA-LEBEN ein ganzes Arsenal unterschiedlicher Charaktere aufmarschieren. So karikaturenhaft überzeichnet sie bisweilen auch sind – stets setzen sie Lottas ganz persönliche Sichtweise und ihren kindlich-grotesken Humor pointiert und farbenfroh in Szene. Mit filmsprachlicher wie erzählerischer Kreativität und im Wechsel zwischen Humor und Ernsthaftigkeit gewährt der Film dergestalt einen aufrichtigen Blick ins Seelenleben einer Elfjährigen, die manchmal die Welt um sich herum noch nicht so ganz durchschaut, einige Sachen falsch versteht, aber gerade dadurch reich an herrlich komischen Blickwinkeln und einzigartigen Überraschungen in Erscheinung tritt. (Quelle: Filmheft Vision Kino)

 

Zur Person Neele Leana Vollmar: (*1978) 2000-2005 Studium an der Filmakademie Ludwigsburg. Wie bereits ihr Kurzfilm MEINE ELTERN (2003) wurde auch ihr Abschlussfilm, die melancholische Komödie URLAUB VOM LEBEN (2006) mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mit der Tragikomödie FRIEDLICHE ZEITEN (2008) folgte der zweite Kinospielfilm, der dritte mit der Gesellschaftskomödie MARIA, IHM SCHMECKT’S NICHT (2009) nach dem Bestseller von Jan Weiler. Der Kinderfilm RICO,OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN (2013) nach dem Buch von Andreas Steinhöfel erhielt u.a. den Bayerischen und den Deutschen Filmpreis 2015 als Bester Kinder- und Jugendfilm. Nach RICO, OSKAR UND DER DIEBSTAHLSTEIN (2016) folgten 2019 MEIN LOTTA-LEBEN sowie die Bestseller-Adaption AUERHAUS. (Quelle: filmportal.de)

 

Weiterführende Links:

Filmwebseite:  www.MeinLottaLeben-Film.de
Infos zum Film: www.filmportal.de
Unterrichtsmaterialien: www.kinofenster.de  Filmheft: www.visionkino.de Filmtipp: www.visionkino.de

Buch: www.arena-verlag.de

HFF MACHT SCHULE: www.hff-muenchen.de
Infos zur HFF: www.hff-muenchen.de  www.muenchenarchitektur.com

Infos zu den verschiedenen Arbeitsbereichen beim Film von der 24 FILMSCHULE der Deutschen Filmakademie / zur Regie: www.vierundzwanzig.de …

 

Weitere Informationen:

Flyer: KW.MEIN.LOTTA-LEBEN (24.03.2020)

Eintrittspreis: 4 Euro für Schüler

Ort: HFF/ Hochschule für Fernsehen und Film München,
Bernd-Eichinger-Platz 1;

MVV: Tram 27/28 (Haltestelle Karolinenplatz); Bus100 (Haltestelle Pinakotheken);

Reservierung: info@treffpunkt-filmkultur.de

 

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