JUGEND OHNE GOTT

Kinoworkshop / Didaktikseminar an der Hochschule für Fernsehen und Film – in Kooperation mit Dr. Margit Riedel /LMU, Dr. Johannes Wende /HFF und dem Produzenten des Films Uli Aselmann /die film gmbh (Mittwoch, 31. Januar 2018, 16.15-19.45 Uhr)

Deutschland 2017, Länge: 114 Min.; FSK: ab 12 Jahre – empfohlen ab 15 Jahre; Spielfilm, Literaturverfilmung nach dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horváth (1937); Regie: Alain Gsponer; Kamera: Frank Lamm; mit: Jannis Niewöhner, Fahri Yardim, Emilia Schüle, Alicia von Rittberg, Jannik Schümann, Anna Maria Mühe, Rainer Bock, Katharina Müller Elmau, Iris Berben u.a.; Bayer. Filmpreis 2016 für Jannis Niewöhner; FBW Prädikat „besonders wertvoll“;

Die Verfilmung des gleichnamigen Jugend- und Schulbuchklassikers von Ödön von Horváth greift Elemente der Romanerzählung sehr frei auf. Alain Gsponers Film löst sich ganz aus der Epoche des Nationalsozialismus und versucht, das Sujet des Verlusts humanistischer Werte in eine gegenwartsbezogene, nicht allzu ferne dystopische Zukunft der Leistungsgesellschaft mit streng voneinander geschiedenen Bereichen der Starken und Schwachen zu übersetzen.

Ablauf Didaktikseminar:

16.15-17 Uhr – Einführung HFF (ca. 5 Minuten) mit Rundgang (ca. 20 Minuten) und Analyse des Filmanfangs (ca. 20 Minuten)
17-19 Uhr – Filmscreening JUGEND OHNE GOTT (114 Minuten)
19-19.30 Uhr – Filmgespräch mit dem Produzenten des Films Uli Aselmann

Zum Film:

Eher widerwillig nimmt der einzelgängerische Zach am alljährlichen Hochleistungscamp der Abschlussklassenbesten teil, das über die Zulassung der Eliteschüler zur renommierten Rowald-Universität entscheidet. In der von Trainern und Digitaltechnik streng kontrollierten Abgeschiedenheit in den Bergen weist Zach die Annäherungsversuche der ambitionierten Nadesh zurück. Stattdessen trifft er draußen im Wald auf die mit ihrer Jugend-Clique umherstreunende, sich mit Diebstählen über Wasser haltende Ewa, die ihn sogleich magisch fasziniert. Nachdem eines Tages Zachs Tagebuch verschwunden ist, macht sich der grundanständig wirkende und moralisch scheinbar integre Lehrer auf die Spurensuche, verstrickt sich dabei jedoch mehr und mehr in ein Gespinst aus Lügen und Ungereimtheiten. Als schließlich Nadesh erschlagen im Wald aufgefunden wird und jemand den Mord gesteht, der ihn gar nicht begangen haben kann, erodiert der Gruppenzusammenhalt in der Klasse, bevor das Geschehen zur Aufklärung vors Gericht gelangt.

Bilder: (Zum Vergrößern anklicken.)

Zach (Jannis Niewöhner) in JUGEND OHNE GOTT unter der Regie von Alain Gsponer         © 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann
Die Gegenspieler Titus (Jannik Schümann) und Zach (Jannis Niewöhner, rechts)
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann
Zach (Jannis Niewöhner) und Ewa (Emilia Schüle)
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann
Alicia von Rittberg in der Rolle von „Nadesh“
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann
Steckt Nadesh (Alicia von Rittberg) hinter dem Verschwinden von Zachs (Jannis Niewöhner) Tagebuch?
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann
Zach (Jannis Niewöhner) im Gespräch mit dem Lehrer (Fahri Yardim)
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann
Der Lehrer (Fahri Yardim) und die Psychologin (Anna Maria Mühe) im Ausbildungscamp
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann

Umsetzung:

Sehr frei Elemente aus von Horváths gleichnamigem Roman aufgreifend und interpretierend, versucht der in den Hauptrollen durchweg gut besetzte Film, die Erzählung aus der Epoche des Nationalsozialismus in eine nicht allzu ferne, dystopische Zukunft zu transponieren. Bilder rigider gesellschaftlicher Ordnung werden mit Visionen städtisch-zivilisatorischen Zerfalls kontrastiert; die Leistungsträger und „Starken“ einer auf Effizienz getrimmten, ständiger Kontrolle unterworfenen Gesellschaft werden den in prekären Verhältnissen segregiert lebenden „Schwachen“ gegenübergestellt. Anders als bei der auf den Lehrer fokussierten Erzählperspektive des Romans entwickelt sich die Filmgeschichte mit ihren dramaturgisch nicht immer überzeugenden Gegenwarts-/Zukunftsentwürfen, Figurenzeichnungen und Handlungsmotivationen in mehreren Erzählsträngen jeweils aus der Perspektive eines der jugendlichen Protagonisten. Für die Zuschauer/innen überlagert sich das dergestalt Erzählte am Ende fast thrillerartig – und „klärt“ sich wie im Puzzle auf.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit:

Der ins Dystopische gewendete Aktualisierungsversuch des Jugendbuch- und Schullektüreklassikers, multierzählperspektivisch abgelöst von der im heraufziehenden Nationalsozialismus „schuldlos schuldig“ werdenden dominanten Lehrerfigur inklusive damit verbundener Handlungsimplikationen und Wertvorstellungen der übrigen Protagonisten, rückt das Sujet vorderhand näher an die leistungsgesellschaftlichen und medialen Erfahrungswelten heute Heranwachsender. Die von erwartbarer Adaption des Stoffs abweichende filmische Umsetzung bietet älteren Schüler/innen diverse Ansatzpunkte zur Diskussion des Themenfeldes und der Dramaturgie. So sollte man u. a. darüber diskutieren, ob und inwieweit die filmische Verlagerung des Geschehens in eine mehr oder weniger nahe Zukunft, die keine humanistischen Werte mehr zu kennen scheint, tatsächlich ein Seismograph zeitgenössischer Ängste und ihnen zugrundeliegender problematischer Entwicklungen innerhalb unserer Leistungsgesellschaft ist bzw. sein kann.

Klassenstufe: ab 10. Klasse
Unterrichtsfächer: Deutsch, Religion, Ethik, Politik, Sozialkunde
Themen: Dystopie, Erwachsenwerden, Erziehung, Ethik, Individuum (und Gesellschaft), Identität, Ideologie, Jugend, Leistung, Schule, Werte, Literaturverfilmung

(Quelle: www.visionkino.de / Autor: Reinhard Middel)

Zur Person: Uli Aselmann wurde am 21. April 1957 in Hamburg St. Georg geboren. Er studierte in Bielefeld Germanistik und Musikwissenschaft. Nach dem Zivildienst arbeitete er als Regieassistent an Ida Ehre´s Hamburger Kammerspielen und als Hörfunkproducer beim Norddeutschen Rundfunk. An der Hochschule für bildende Künste in Hamburg machte Aselmann mit seinem Dokumentarfilm „DREI MAL DREI“ 1987 seinen Filmdiplom und arbeite anschließend bei diversen TV Projekten als Requisiteur, Ausstatter, Aufnahme- und Produktionsleiter, bis er von Jürgen Kriwitz als Produzent bei der in Hamburg und München ansässigen Produktionsfirma Neue Deutsche Filmgesellschaft fest angestellt wurde. Nach Serien wie „SCHLOSS HOHENSTEIN“ und „UM DIE DREISSIG“, Werbefilmproduktionen u.a. mit Helmut Dietl, Bobby Roth und Ralf Huettner und erfolgreichen TV- und Kinofilmen wie zum Beispiel „AMERIKA“, „CHAOS QUEEN“, „DIE MUSTERKNABEN“ gründete Aselmann im September 1997 seine eigene Filmproduktionsfirma die film gmbh in München, wo er seit 1992 seinen Lebensmittelpunkt hat.

Uli Aselmann ist seit Mai 2008 Kinosektionsvorstand und stellvertretender Vorstands-vorsitzender der Produzentenallianz, so wie seit Februar 2009 Präsidiumsmitglied der Filmförderungsanstalt (FFA) und Mitglied der Deutschen Filmakademie.

„Mir ist bei jedem Film- oder TV Projekt wichtig, dass mich gewisse neue Aspekte reizen und neugierig machen. Im Vordergrund steht natürlich immer eine gute Geschichte über Menschen, die den Zuschauer emotional mitnimmt, durch lachen, weinen oder Mitgefühl! Aber auch die Zusammenarbeit mit einem interessanten Autor, einem mich faszinierenden Regisseur oder einem sehr geschätzten Schauspieler, geben mir Motivation, mich für ein Projekt zu engagieren. Dabei sind es insbesondere die von uns entwickelten originären Geschichten, die mich begeistern. Für Biopics bin ich nicht so der richtige Mann. Und wenn wir literarische Vorlagen zu verfilmen beabsichtigen, müssen in das Drehbuch Facetten einfließen, die es von der Vorlage wieder etwas weg führen. Das macht mich neugierig und reizt mich, so dass ich dann gern meine ganze produzentische Kraft investiere und die volle Freude an meiner Arbeit einbringe.“ (Quelle: www.diefilmgmbh.de)

Zur Hochschule für Fernsehen und Film München: Gegründet wurde sie 1966 und bezog 2011 den Neubau im Münchner Kunstareal, mit Film- und TV-Studios, einem eigenen Postproduktionstrakt, einer Bibliothek und drei Kinos. (Quelle: www.hff-muenchen.de)

Links:

Filmproduktion: www.diefilmgmbh.de
Filmverleih: www.constantin-film.de
Filminformationen: www.filmportal.de
Unterrichtsmaterial: www.visionkino.de
Filmtipp von Vision Kino: www.visionkino.de

Zum Vergleich: Verfilmung von 1991 (mit Ulrich Mühe in der Rolle des Lehrers www.youtube.com

24 FILMSCHULE (Produktion): www.vierundzwanzig.de

Hochschule für Fernsehen und Film München: www.hff-muenchen.de  www.muenchenarchitektur.com

Ödön von Horváth: http://gutenberg.spiegel.de
Originaltext „Jugend ohne Gott“: http://gutenberg.spiegel.de

Presseheft: Jugend ohne Gott_Presseheft_FINAL

Flyer: Didaktikseminar+KW.JOG ( 31.01.2018)

Anmeldung: info@treffpunkt-filmkultur.de

Kosten: Die Teilnahme ist kostenfrei

Ort: Hochschule für Fernsehen und Film München 
Bernd-Eichinger-Platz 1
MVV: Tram 27/28; Bus 100;