Schülerwerkstatt mit Peter Lilienthal

Peter Lilienthal zeigt den Film CIRCUS MAKES ME FLY von Franziska von Malsen / Kinoworkshop im Rahmen des DOK.fests München (4.-11. Mai 2011)

Es geht um die Begegnung, das Gespräch, den Ideenaustausch und um Kreativität. Und auch um eine Anbindung an das Gesamtkonzept  „Kulturelle Bildung“ der Stadt München. Weitere Partner: Kulturreferat München, DOK.education

Zum Film: CIRCUS MAKES ME FLY (Deutschland, Frankreich, Israel 2010, 45 Min., Dokumentarfilm; Regie: Franziska von Malsen)

„Wer bin ich?“ – Itamar, Protagonist des Films, muss auf diese Frage eine Antwort finden, denn er möchte sich an Frankreichs renommierter Zirkusschule LE LIDO in Toulouse bewerben. Dort geht es um mehr als eine gute Akrobatiknummer, wie sich schnell herausstellt. …

Ein Essay zum Film von Peter Lilienthal:

DAS MAGISCHE AUGE
An der Fensterscheibe ein Schmetterling, auf seinem Bett Itamar Glucksmann, der Akrobat aus Jerusalem. Sein unsichtbares Gegenüber FRANZISKA VON MALSEN, das magische Auge. Es beginnt eine Entdeckungsreise, die mich dankbar zum Komplizen macht. Franziska verspricht Nachdenklichkeit, Zirkustreue. Auch ihre Familie der Kinoerzähler wie die der Akrobaten ist zuhause in Hafengegenden, auf Jahrmärkten und in Zirkuszelten, wo die Gedanken offen sind für Veränderlichkeit und Wanderschaft, wo der Blick ins Weite gerichtet ist.
Der Flug des Schmetterlings verbindet Franziska und Itamar, und versetzt sie in einen fortdauernden Schwebezustand mit Happy End. Ihr Dialog verrät den Auftakt einer Reise.
Ziel: Die Zirkusschule „Le Lido“ in Toulouse. Zwei Jahre Grundausbildung, 15 Studenten pro Jahr werden  aufgenommen.
Itamars Traum „Circus makes me fly“ und ganz unterwartet von ihm eine Frage an uns: „Wer bin ich ?“ Sein Körper soll die Antwort geben, das Filmdokument sein Zeuge sein. Die Prüfungskommission in Toulouse erlebt einen menschlichen Floh mit Flügeln, und dabei ist die Rucksackregisseurin Franziska, die keine Bewegung, keinen Atemzug, keinen Busterkeatonblick von Itamar versäumt. Der hat einen Karton als Zuflucht und Sprungbrett erfunden. Mit atemberaubenden Doppel-, Vor- und Zurücksaltos bewegen sich Karton und der fliegende Itamar. Die zukünftigen Lehrer sind verblüfft. Die Bilder von Franziska lassen erahnen: Da fliegt ein Narr Gottes, der die Schwerkraft besiegt und die Menschheit tröstet. Der Floh wird am Ende seiner 4 Prüfungstage in der Schule aufgenommen. Franziska begleitet Freude und Enttäuschung der Bewerber. Sie scheint genau im richtigen Moment ihre Präsenz und Anteilnahme zu zeigen. Ihre Bilder sind unprätentiös und solidarisch. Ich danke Dir Franziska. Peter Lilienthal

Zur Person: Franziska von Malsen, geboren 1982, nach dem Abitur Praktika und Jobs am Set verschiedener Spielfilmproduktionen, anschließend Assistentin der Produzenten von Hager Moss Film. Ab 2003 Studium an der HFF München: zunächst Produktion und Medienwirtschaft, später Wechsel ins Fach Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Hospitationen und Magazinbeiträge bei ZDF, BR und Televisió de Catalunya, Spanien. 2006 – 2007 redaktionelle Leitung des deutschsprachigen Kulturmagazins von Barcelona Televisió, Spanien. „Circus makes me fly“ ist ihr erster mittellanger Dokumentarfilm.

Zur Person: Peter Lilienthal, geboren am 27.11.1929 in Berlin, emigriert 1939 mit seiner Familie nach Uruguay. In Montevideo betreibt die Mutter ein kleines Hotel, das zum Zufluchtsort für europäische Emigranten wird, die vor den Nazis geflohen waren. Peter Lilienthal absolviert das Gymnasium und beginnt das Studium der Kunstgeschichte und Jura. Seine ersten Filmerfahrungen macht er im Filmclub an der Universität von Montevideo. Mit Freunden aus dem Filmclub realisiert er 1955 bis 1956 verschiedene Kurzfilme über soziale Themen. Nach der Emigration kehrt er 1954 nach Berlin zurück. 1956 erhält er ein Stipendium für ein Filmstudium am „Institut des Hautes Cinématographiques“ (IDHEC) in Paris, absolviert dann ein Studium der Malerei und Formgestaltung, experimentelle Fotografie und Film an der Hochschule für bildende Kunst in Berlin.  1959 – 1961 Regie- und Produktionsassistenz beim Südwestfunk in Baden-Baden. 1961 – 1964 dort Regisseur. Seit 1964 arbeitet Peter Lilienthal als freier Regisseur und Autor. Neben dem Filmemachen unterrichtet er ab 1966 an der neu gegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), der ersten bundesdeutschen Filmhochschule. 1969 dreht er seinen ersten Kinospielfilm MALATESTA, der mit dem Deutschen Filmpreis 1970 ausgezeichnet wird. Seine mehrfach preisgekrönten Filme liegen thematisch sehr nahe am Zeitgeschehen. Peter Lilienthal: „Mein Kino ist auf der Suche nach Authentizität”. Mitbegründer des „Filmverlags der Autoren“. Seit 1974 eigene Produktionsgesellschaft gemeinsam mit Norbert Kückelmann: FFAT (Film-Fernseh-Autoren-Team). Ab 1985 erster Direktor der Abteilung Film und Fernsehen an der Akademie der Künste in Berlin, an der er bis 1996 bleibt. Peter Lilienthal lebt heute in München.

Zum Projekt: Die Schülerwerkstatt mit dem Filmemacher Peter Lilienthal ist ein „work in progress“ – Projekt zur Film- und Kulturvermittlung. Das Ziel dabei ist, durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit Themen weiter zur Entwicklung kreativer Ideen und deren Umsetzung zu gelangen. Dazu ist auch ein gemeinsames Filmprojekt mit Schülern geplant, auf der Grundlage der Reportagewerkstatt mit Münchner Schülern, die in Kooperation mit der Akademie der Künste in Berlin im Schuljahr 2008/2009 stattgefunden hat. Vinzenz Gilgenreiner, Schüler der 7. Klasse am Maxgymnasium, hatte mit einem Bericht über die Reise mit seiner Familie nach Vietnam den Grundstein dazu gelegt. Beim Vortrag in der Akademie der Künste in Berlin zeigte er Fotos und Gegenstände, die er von dieser Reise mitbrachte und in einer Schachtel verwahrt hat.

Das Schachtelprinzip ist so das Resultat des Schülertreffens mit Peter Lilienthal 2009: „In der Schachtel von Vinzenz und seinem Tagebuch steckt das Geheimnis der Poetik einer Filmkultur: …. die Entdeckung und Beschreibung mit offenen Augen des Anderen und dem Makrokosmos, der uns umgibt. Die Schachtel von Vinzenz enthielt Steine – Omnibusfahrscheine – Vogelfeder und Textstellen aus seinem Tagebuch, die er uns vorlas: Beispiel: ”Es war dunkel – eine Gestalt erscheint: Meine Mutter! “ UNSER Manifest heißt: DAS SCHÖNE AM LEBEN. Wer die Augen öffnet, sieht mehr davon …“

Zum Konzept: In einer imaginären Schachtel bewahrt jeder seinen persönlichen Erfahrungsschatz auf und schöpft daraus, um sich den anderen mitzuteilen. Dazu gibt es eine unendliche Vielfalt von Ausdrucksmitteln. Das Sinnbild der Schachtel lässt sich weiter übertragen: auf die Kamera, den Rekorder und die Aufnahmen, die damit gemacht werden – auf verschiedene Räumlichkeiten – zuhause, im Klassenzimmer, im Kino, im bekannten oder in einem neuen Umfeld ….

 

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