TAXI DRIVER

„Filme mit dem Filmkanon im Kino entdecken“

– in Kooperation mit der Städtischen Rainer-Werner-Fassbinder Fachoberschule und dem Münchner Filmmuseum (geschlossene Veranstaltung)

USA 1975; 114 Min.; FSK: ab 16; Psychodrama; Großstadt-Thriller; Regie: Martin Scorsese; Drehbuch: Paul Schrader; Kamera: Michael Chapman; Musik: Bernard Herrman; mit: Robert De Niro, Jodie Foster, Harvey Keitel, u.a.; im Verleih von Neue Visionen; Preise: Goldene Palme (Filmfestspiele Cannes);

TAXI DRIVER wurde 2003 in den Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung aufgenommen.

Filmessay (von Alfred Holighaus): www.bpb.de

TAXI DRIVER Flyer

Zum Film: Die Geschichte wird größtenteils aus der Sicht der Hauptfigur erzählt. Travis Bickle, 26, ein Vietnamveteran (und der zerrissene Held des Films), kann nachts nicht schlafen und sucht sich einen Job als Taxifahrer. Seine Obsessionen und sein Hass auf den menschlichen „Abschaum“ der Großstadt New York steigern sich und eskalieren schließlich in einem Massaker, in einer legendären Inszenierung. In einer anderen berühmten Szene des Films übt Travis den Kampf mit seinem Spiegelbild: „Are you talking to me?“ – Atmosphärische Bilder der New Yorker Straßen und die Musik von Bernard Herrmann verstärken die psychologische Spannung.

Paul Schrader schrieb das Drehbuch in Anlehnung an die Literatur des Existenzialismus. Er verarbeitete dabei eigene Erfahrungen von Einsamkeit: „1973 hatte ich eine besonders harte Zeit, lebte mehr oder weniger in meinem Auto in Los Angeles, fuhr die ganze Nacht herum … Da schlug es bei mir ein, die Vorstellung, dass ich wie ein Taxifahrer war, in der Stadt herumirrend in diesem metallenen Sarg, offensichtlich mitten unter den Menschen, aber absolut, total allein …. „. Die Hauptfigur des Films, Travis, bezeichnet  sich selbst als „Gottes einsamsten Mann“ („god’s lonely man“). Schrader verwendete als dokumentarisches Material die Tagebücher des gescheiterten Attentäters Arthur Bremer.

In Zusammenarbeit zwischen Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler „… entsteht ein neues Modell des Scorsese/Schrader/De-Niro- Helden: Da ist einer in die Hölle geraten. Und er hat nicht die geistigen Fähigkeiten, sie zu verstehen. Er hat nicht die spirituellen Fähigkeiten, sie zu ertragen. Er hat nicht die emotionalen Fähigkeiten, ihr mehr Menschlichkeit abzuverlangen. Er hat nicht die sozialen Fähigkeiten, eine Revolte zu organisieren. Und er hat, trotz seiner angestrengten Übungen, auch nicht die körperlichen Fähigkeiten, sie zu verlassen.“ (aus: Georg Seeßlen MARTIN SCORSESE, Bertz-Verlag, Berlin 2003) In der Filmfigur verbindet sich der existentialistische Held mit dem Westernheld. “ … Natürlich ist De Niro als Travis Bickle eine „Parodie“ auf John Wayne als Ethan Edwards in THE SEARCHES (USA 1956, Regie: John Ford); aber zugleich ist er seine Fortsetzung und Modernisierung. Was Ethan treibt, der geschlagen und einsam aus dem Bürgerkrieg kommt, ist der Hass auf das Wilde und Sensualistische der Indianer, und Travis Bickle, nicht minder einsam und geschlagen, kehrt aus einem Krieg zurück in die Welt, die nicht mehr seine Heimat sein kann … Wenn das Taxi der „gläserne Sarg“ in den Straßen der Großstadt ist, dann ist es zugleich auch eine Fortsetzung des Pferdes für den Westerner, das ihn, wie Travis es ausdrückt, überall hin trägt. Die Gegenden, in die Travis sein Taxi fährt, ähneln dem „unzivilisierten“ Westen, in dem es keine Garantie für die Rechte und Menschlichkeit gibt.  “

Zur Person: Martin Scorsese ist 1942 in New York als Spross einer italienischen Familie geboren. Er wuchs in Little Italy, im Süden Manhattans auf, wo „die Sizilianer gegen die Neapolitaner kämpften, die Italiener gegen die Iren und die Juden sowieso, wo die Mafia und die katholische Kirche die geistliche und die weltliche Herrschaftsform bildeten. … Die Menschen hier waren nicht mehr Italiener und noch keine Amerikaner. … Es war eine Situation des Ein- wie des Ausgeschlossenseins, und Scorsese war sich bewusst, dass diese Situation nicht nur aus der Scheidung der Zeiten und Kulturen entstand, sondern auch politisch bedingt war: » Die meisten Einwanderer vegetierten am Rande des Existenzminimums, wenige Straßen weiter aber präsentierte sich unvorstellbarer Luxus und Reichtum. Diese Gesellschaft, das begriff ich, war geteilt in zwei Klassen. Ich gehörte zur unteren, diese Erfahrung werde ich nicht vergessen. « … Martin Scorseses Vater, so erinnert er sich, war ein Kinofanatiker, und er nahm den Sohn beständig mit… “ (aus: Georg Seeßlen, MARTIN SCORSESE, Bertz-Verlag, Berlin 2003) … Erst wollte Martin Scorsese Priester werden, wechselte dann an die New York University, zunächst zum Studium der englischen Literatur und entschied sich schließlich für den Film. Er traf mit anderen Studenten zusammen, die an der Entwicklung des neuen Hollywoodfilms beteiligt waren. Sein wichtigster Lehrer und Mentor zugleich war Haig Manoogian. Vor seinem Studienabschluss 1967 ließ sich Martin Scorsese beurlauben, um Erfahrungen in der Praxis zu sammeln, u.a. als Beleuchter und Cutter und gelegentlich auch als Schauspieler. Bis 1970 blieb er an der Universität, unterrichtete Filmgeschichte und Filmkritik und betreute studentische Projekte. In seinen ersten eigenen Filmen, zu denen auch TAXI DRIVER gehört, verbindet er sehr deutlich Stilformen des europäischen Autorenfilms mit den Erzählweisen des amerikanischen Kinos. Immer mehr findet er zu einem eigenen Stil.

Links:
Infos: www.visionkino.de  www.lmz-bw.de
Trailer: www.youtube.com
Storyboard* mit Filmszenen: http://filmmakeriq.com
Script (engl.): www.imsdb.com
Martin Scorsese: http://de.wikipedia.org
Robert De Niro: https://de.wikipedia.org   www.the-fan.net/deniro/bio.shtml

*Screenshots+Storyboard (Massaker-Szene): Storyboard Taxi Driver

Screenshots /Bildfolge Massakerszene (ca. 8 Min.)

Die Massaker-Szene / Kameraführung – aus: GEWALT IM FILM – Rainer Rother „Die Faszination des Massakers“ – „ … Die Szenen des Massakers haben den Film in den Ruf gebracht, er stelle die Gewalt mindestens unkritisch dar. Keine andere Szene des Films wirkt so nachdrücklich und unmittelbar emotionalisierend. Die Momente, mit denen diese Wirkung erzielt wird, lassen sich so umschreiben: schnelle Schnittfolge, blutige Details, eine fast quälende Tonspur mit dem Fluchen des verwundeten Aufpassers und den Bitten und Schreien von Iris.

In den 54 Einstellungen der Massakerszene lassen sich zwei
typische Kamerapositionen unterscheiden, in denen die Stellung zur Handlungsachse verändert wird. Einmal steht die Kamera annähernd auf dieser Achse, wobei die Handlungsrichtung in Beziehung zur Kamera variabel ist (sie kommt auf die Kamera zu; sie entfernt sich von ihr; oder die Kamera folgt bzw. distanziert sich), im zweiten Fall befindet sie sich, ebenso näherungsweise, in einem Winkel von 90 Grad zur Achse der Handlung.… Die Ereignisse werden im Schuss-Gegenschuss-Verfahren und mittels Parallel-Montage erzählt. Die blutige Aktion endet mit einer Totale aus der
Vogelperspektive als Übersicht über den Schauplatz. …“

1. Kamera auf der Handlungsachse:

2. Kamera im Winkel von 90°zur Achse der Handlung:

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Mit Filmemacher-Kollegen hat Martin Scorsese „The Film Foundation“ (zur Bewahrung des Filmerbes) gegründet, mit einem Projekt für die Schule: www.storyofmovies.org

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